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Push oder Pull: Wann welches Marketing wirkt

Push und Pull klingen nach Lehrbuch. Dahinter steckt aber nur eine einzige praktische Frage: Weiß dein Markt schon, dass es dich gibt? Von der Antwort hängt ab, wofür du dein Budget ausgibst. Und die meisten Fehlinvestitionen im Marketing entstehen, weil diese Frage nie gestellt wurde.

Der Unterschied in einem Satz

Push bringt dein Angebot zu Menschen, die gerade nicht danach suchen. Pull sorgt dafür, dass dich die Menschen finden, die ohnehin schon suchen.

Der eigentliche Unterschied liegt damit nicht im Kanal, sondern im Kopf deiner Zielgruppe. Kennt sie ihr Problem und sucht nach einer Lösung? Dann zieht Pull. Kennt sie weder das Problem noch dich? Dann führt kein Weg an Push vorbei, weil niemand nach etwas sucht, von dem er nichts weiß.

Push: du gehst zur Zielgruppe

Beim Push zahlst du dafür, dass deine Botschaft dort auftaucht, wo sich deine Zielgruppe ohnehin aufhält. Du bestimmst, wann, wo und wie oft. Das ist der große Vorteil und zugleich der Preis: Ein Teil der Kontakte trifft Menschen, die dein Angebot nie brauchen werden.

Typische Maßnahmen: Anzeigen auf Meta und LinkedIn, Displaywerbung, Plakate und digitale Screens, Radio- und Fachzeitschriftenwerbung, Postwurfsendungen, Messeauftritte, Kaltakquise im Vertrieb.

Sinnvoll, wenn: du etwas Neues auf den Markt bringst, in eine neue Region gehst, um Mitarbeitende wirbst oder einen festen Termin hast, auf den es zulaufen muss. Also überall dort, wo es noch kein Suchvolumen gibt, das du abgreifen könntest.

Was du wissen solltest: Push wirkt schnell und hört genauso schnell wieder auf. Wenn das Budget endet, endet die Sichtbarkeit. Du mietest Aufmerksamkeit, du baust sie nicht auf.

Pull: die Zielgruppe kommt zu dir

Beim Pull sorgst du dafür, dass du in dem Moment da bist, in dem jemand ein Problem hat und danach sucht. Dieser Moment ist selten und wertvoll, weil die Kaufabsicht schon existiert. Du musst niemanden mehr überzeugen, dass er etwas braucht, sondern nur noch, dass du der Richtige dafür bist.

Typische Maßnahmen: eine Website, die die Fragen beantwortet, die deine Kunden wirklich stellen, Suchmaschinenoptimierung, Fachbeiträge und Referenzen, ein gepflegtes Google-Unternehmensprofil mit echten Bewertungen, Social Media ohne Werbebudget, Empfehlungen.

Sinnvoll, wenn: es Suchvolumen für das gibt, was du anbietest, deine Leistung erklärungsbedürftig ist oder die Entscheidung länger dauert als einen Klick. Im B2B ist das fast immer der Fall.

Was du wissen solltest: Pull kostet Zeit statt Mediabudget. Die ersten Ergebnisse kommen selten vor dem dritten Monat. Dafür arbeitet jeder Beitrag weiter, auch wenn du gerade nichts bezahlst.

Die ehrliche Gegenüberstellung

 PushPull
AusgangslageNiemand kennt dichMan sucht, findet aber andere
RichtungDu gehst zum KundenDer Kunde kommt zu dir
WirkungSofort, solange bezahlt wirdVerzögert, dafür bleibend
HauptkostenMediabudgetZeit und Inhalte
StreuverlustHoch, aber einkalkuliertGering
AbschlussquoteNiedrigerHöher, weil Bedarf besteht

Welche Strategie zu dir passt

Drei Ausgangslagen, drei Antworten. Die dritte ist die häufigste und steht in keinem Lehrbuch.

1. Dich sucht noch niemand

Neues Produkt, neue Marke, neue Region. Es gibt keine Suchanfragen, die du bedienen könntest. Fang mit Push an und baue parallel die Seite auf, auf der die Interessierten landen sollen.

2. Man sucht deine Leistung, findet aber andere

Der Bedarf ist da, nur bist du nicht sichtbar. Hier ist Pull das Mittel der Wahl: Sichtbarkeit für die Begriffe, die deine Kunden wirklich eintippen, und Inhalte, die die Fragen davor beantworten.

3. Du wirst gefunden, aber niemand fragt an

Dann ist weder Push noch Pull dein Problem. Dann stimmt etwas mit dem nicht, was die Leute vorfinden, wenn sie ankommen. Mehr Budget in die Sichtbarkeit zu stecken, macht in diesem Fall nur den Fehler größer. Erst die Seite, dann die Reichweite.

Warum die Kombination gewinnt

In der Praxis gehören beide zusammen, und zwar in dieser Reihenfolge: Push macht bekannt, Pull fängt auf.

Ein Beispiel aus dem Industriealltag. Ein Hersteller bringt eine neue Baureihe heraus. Niemand sucht danach, weil niemand weiß, dass es sie gibt. Also Fachmedien, Messe, LinkedIn. Das wirkt: Leute werden aufmerksam. Und was tun sie als Nächstes? Sie geben den Namen bei Google ein. Wenn dort keine Seite steht, die die Fragen beantwortet, war das ganze Budget ein Strohfeuer.

Push ohne Pull ist ein Trichter ohne Boden. Pull ohne Push ist ein guter Laden in einer Straße, in die niemand abbiegt.

Deshalb ist die Website in fast jedem Fall zuerst dran. Sie ist die Fläche, auf der alle anderen Maßnahmen landen, ob Anzeige, Messe oder Empfehlung.

Woran du merkst, ob es wirkt

Bei Push zählen Reichweite und Kosten pro Kontakt, aber die aussagekräftigste Zahl ist eine andere: Wie oft wird dein Name direkt gesucht? Steigende Suchanfragen nach deiner Marke sind der beste Frühindikator dafür, dass Bekanntheitsarbeit ankommt.

Bei Pull zählen Sichtbarkeit für die relevanten Begriffe, Anfragen über die Website und vor allem deren Qualität. Zehn Anfragen, von denen acht zum Angebot passen, sind mehr wert als hundert, die dein Vertrieb aussortieren muss.

Und eine ehrliche Einordnung dazu: Nicht alles lässt sich sauber messen. Bei Bewegtbild und Bildern ist die Wirkung weniger direkt zuzuordnen. Wer dir dafür eine exakte Abschlussquote verspricht, verkauft dir Zahlen, die er nicht halten kann.

Vier Fehler, die uns immer wieder begegnen

  • Reichweite kaufen, bevor die Seite steht. Das Geld fließt in Klicks, die auf einer Seite landen, die nicht überzeugt.
  • Pull erwarten, wo es kein Suchvolumen gibt. Bei einem völlig neuen Angebot kann Suchmaschinenoptimierung nichts abgreifen, was noch nicht gesucht wird.
  • Zu früh den Kanal wechseln. Zwei Monate sind für Pull keine Laufzeit, sondern eine Aufwärmphase.
  • Beides gleichzeitig mit halbem Budget. Zwei halbherzige Maßnahmen ergeben keine ganze. Setze eine Sache richtig auf, bevor die zweite dazukommt.

Fazit

Push und Pull sind keine Glaubensfrage, sondern eine Frage der Ausgangslage. Wer noch niemandem bekannt ist, muss zu den Leuten gehen. Wer gesucht wird, muss auffindbar sein. Und wer beides will, fängt bei der Fläche an, auf der am Ende alles landet.

Du bist dir nicht sicher, wo dein Unternehmen gerade steht? Schreib uns kurz, wir sagen dir ehrlich, was in deinem Fall zuerst dran wäre.